Tuesday, July 14, 2009

Die Twitter-Umfrage


Wie einige von Euch bereits wissen, schreibe ich derzeit an meiner Magisterarbeit, in welcher ich mich mit dem Phänomen Twitter aus kommunikationssoziologischer Perspektive beschäftige. In diesem Zusammenhang führe ich unter anderem eine Umfrage zur Nutzung von Twitter im deutschsprachigen Raum durch, welche hier zu finden ist: Zur Twitter-Umfrage
Ziel der Umfrage ist es unter anderem, herauszufinden, wie verschiedene Verwendergruppen den Dienst bisher adoptiert haben, welche Nutzungspraktiken Sie entwickelt haben und welchen persönlichen Mehrwert sie aus der Nutzung für sich generieren. Die Ergebnisse der Umfrage werden später kostenlos zur Verfügung gestellt.

Obwohl es sich hier um eigentlich ganz grundlegende Fragen handelt, fehlt es bisher an einer adäquaten Abarbeitung des Themas. Ich bin davon überzeugt, dass ich mit meiner Arbeit wertvolle Erkenntnisse liefern kann, von denen am Ende alle profitieren können, die sich mit dem Thema Social Media auseinandersetzen. Um dieses gemeinsame Ziel zu erreichen, ist es jedoch essentiell, dass so viele Twitter-Nutzer wie möglich an der Umfrage teilnehmen.

Die Bearbeitung der Umfrage dauert nicht länger als 10 Minuten, ein Retweeten des Links nicht länger als 10 Sekunden.

Also: Teilnehmen und Retweeten!!! :-)


Das Feedback des ersten Tages war überwältigend und ich freue mich riesig, dass bereits mehrere hundert Nutzer allein in den ersten Stunden an der Umfrage teilgenommen haben. Es ist wirklich sehr spannend, live beobachten zu können, wie sich die Nachricht zur Umfrage durch das Netzwerk bewegt. Was dabei allerdings auch auffällt, ist der Einfluss, den reichenweitenstarke Nutzer bei der Verbreitung von Informationen im Twitter-Netzwerk haben. Ohne die Energiezufuhr reichweitenstarker Hubs, ist es wirklich sehr schwer das Getriebe in Gang zu kriegen. Aus diesem Grund freue ich mich ganz besonders, wenn noch mehr "A-Twitterer" auf meine Umfrage hinweisen würden.

Anregungen, Hinweise und Feedback sind in den Kommentaren herzlich willkommen. Ich bedanke mich bei allen bisherigen Teilnehmern und freue mich weiterhin auf Eure Unterstützung. Ihr seid großartig!!! :)

Anmerkung:
Wer meine bisherigen Gedanken zu Twitter nachlesen möchte: Hier, hier und hier habe ich bereits über Twitter gebloggt.

Und hier noch eine Retweet-Vorlage zum kopieren und weiterverbreiten:
RT @michaelgross: Umfrage zur Twitter-Nutzung in Deutschland jetzt online http://bit.ly/5gR8p/ Freue mich über Teilnahme und Retweet!

Sunday, May 24, 2009

Der Twitter-PowerPoint-Komplex


Twitter is evil! PowerPoint makes you dumb!

Seit einigen Jahren gibt es eine öffentliche Diskussion darüber, wie PowerPoint unsere Art zu Kommunizieren beeinflusst und ob unsere Wissensgesellschaft gar durch den inflationären Einsatz von PowerPoint zu verdummen droht. Kritiker behaupten, dass der Einsatz von PowerPoint systematisch zu schlechteren Vorträgen führe, dass Performance wichtiger sei als der eigentliche Inhalt und dass quasi jeder Vortrag zu einem Verkaufs-Pitch verkomme. Befürworter der Technologie halten jedoch dagegen, die Software sei nur ein Werkzeug, auf dessen Art der Verwendung es ankomme. Nicht PowerPoint sei das Problem, sondern die Unfähigkeit des Redners diese sinnvoll einzusetzen und mit einer entsprechenden Rhetorik zu versehen. Eine ähnlich kulturkritische Debatte lässt sich auch um Twitter feststellen. Für die einen ist Twitter der auf 140-Zeichen verkürzte Untergang des Abendlandes, für die anderen bloß ein Tool, auf dessen kluge Verwendung es ankommt.

Denjenigen, die sich mit Medien beschäftigen, wird diese Diskussion bekannt vorkommen. Jedem Medium wird das Potenzial zur Revolutionierung - oder zumindest zur Umstrukturierung - der Wissensordnung zugeschrieben. Diese Veränderung wird gleichermaßen als Anfang einer neuen Epoche gefeiert wie als apokalyptisches Szenario gefürchtet. Wie einige meiner Leser vielleicht wissen, setze ich mich mit diesen Themen wissenschaftlich auseinander und bin derzeit vor allem an Twitter und seinen Einfluss auf unsere Kommunikations-Kultur besonders interessiert. Aus diesem Grund möchte ich die Diskussionen, die um Twitter und PowerPoint geführt werden, mal ein wenig genauer beleuchten und versuchen aus den Analogien neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Kulturpessimismus und Sozialtheorie

Die kulturkritische Diskussion zwischen Kritikern und Befürwortern der genannten Dienste ist das Abziehbild einer Kontroverse, die sich wie ein roter Faden durch die techniksoziologische Theoriediskussion zieht. Auch hier gibt es zwei Lager, die konkurrierende Sichtweisen vertreten.
Zum einen wird die These vertreten, dass Technologien selbst verfestigte Sozialstrukturen sind und quasi wie institutionale Verhaltensregeln von außen auf das Verhalten des Einzelnen einwirken. Technische Artefakte enthalten demnach Handlungsanweisungen, die das Verhalten des einzelnen beeinflussen. Dieser Sichtweise würde somit der Haltung entsprechen, PowerPoint würde komplexe Ideen in ein vorgefertigtes Format quetschen und uns zu einer bestimmten Vortragsweise zwingen.
Die zweite Sichtweise geht davon aus, dass Technologien ein außersoziales Phänomen sind und erst im Handeln soziale Bedeutung erlangen. Technologien lassen sich nur aus dem Sinn heraus interpretieren, den menschliches Handeln der Verwendung dieser Technologie verleiht. PowerPoint/Twitter sei in diesem Sinne nur ein Werkzeug. Nicht die Software ist Schuld an der Banalität der Inhalte, sondern die Unfähigkeit der Nutzer die Technik sinnvoll einzusetzen.

Doch welche Sichtweise ist nun die treffendere? Schreiben die technischen Optionen von Twitter ein gewisses Nutzungsverhalten vor oder ist eine völlig freie Nutzung möglich? Sind die Funktionen des Dienstes technisch verfestigte Normen, die uns zum Veröffentlichen von Banalitäten animieren, oder liegen die Auswirkungen der Twitter-Nutzung in den Händen der Nutzer?

Das Zusammenspiel von Struktur und individuellem Handeln

Trotz aller in technologische Strukturen eingeschriebenen Handlungsanweisungen bietet Technologie oft erhebliche Spielräume der Nutzung. Diese Spielräume werden von dem einen besser genutzt als von dem anderen und wiederum komplett anders von einem dritten interpretiert. Menschen beziehen sich in ihrem Handeln auf vorgelagerte Strukturen, wobei sie mit diesem Handeln wiederum Strukturen schaffen (Theorie der Strukturierung von Anthony Giddens).

Die Nutzung von PowerPoint als auch Twitter besitzt somit einen Doppelcharakter. Sie unterliegt einerseits Restriktionen und ist so nur eingeschränkt zur Darstellung bestimmter Inhalte geeignet. Durch die eingeschränkten Dispositionen blenden viele Nutzer wiederum denkbare Handlungsweisen aus. Optionen und Funktionen der Bedienung haben in gewisser Weise Aufforderungscharakter - sie legen ein bestimmtes Handeln nahe, welches wiederum zur Ausbildung bestimmter Nutzungsschemata führt.
Das Argument „Twitter ist nur ein Werkzeug auf dessen Einsatz es ankommt“ greift daher auch zu kurz. Twitterer greifen in ihrem praktischen Handeln auf vorgelagerte Strukturen zurück und reproduzieren in diesem Sinne wiederum Regeln der Verwendung. Twitter wird in diesem Sinne nie zu einem reinen Info-Kanal werden, auch nicht zu einem geschlossenen RSS-Reader (Gott sei dank!) - vielmehr wird Twitter Menschen immer dazu verleiten Banalitäten zu veröffentlichen und über aktuelle Aktivitäten und Gedanken zu schreiben.

Doch was lernen wir daraus? Wie gehen wir mit dem Wissen um die impliziten Eigenschaften der Technologie um? Ich denke, wir sollten uns in erster Linie aufgefordert fühlen die naheliegenden Potenziale des Mediums zu nutzen. Letztendlich hat uns PowerPoint weder klüger noch dümmer gemacht. In einer Zeit, in der es wichtig ist möglichst viele Präsentation, Meinungen und Ideen zu verschiedenen Themen vorrätig und abrufbar zu haben, erleichtert es PowerPoint uns jedoch Vorträge zu gestalten. Das übergeordnete Bedürfnis, welchem Twitter zugrunde liegt, zu identifizieren, fällt jedoch ein wenig schwerer, da es als soziales Netzwerkmedium in einen komplexeren Kontext eingebettet ist.

Auf dem Weg zur Online-Vergesellschaftung

Technik und Gesellschaft stehen in einem wechselseitigen Austauschverhältnis. Durch das Aufkommen von Netzwerkmedien sehen wir eine Entwicklung, in der Vergesellschaftung von Individuen stärker von Informationstechniken beeinflusst wird als je zuvor. Die Algorithmen der Informationstechnik ermöglicht es uns global zu einer Netzwerkgesellschaft zu formen, welche nicht nur durch soziale sondern auch durch technische Wechselwirkungen geprägt ist. Doch zur Vergesellschaftung benötigt es mehr als nur eine technische Verbindung zwischen Menschen - Communities leben als soziale Beziehungsgeflechte durch Bindung. Bindung geschieht prozesshaft, sie bedarf häufiger Kontakte und Auseinandersetzung mit dem Gegenüber. Ich glaube, dass Twitter durch seine Funktionalität uns zu einer Netzwerkkommunikation verleitet, die uns durch ihre phatischen Elemente einen emotionalen Mehrwert bietet, wie es in dieser Schnelligkeit und Serialität von keinem anderen Netzwerkmedium zuvor geboten worden ist. Mit der Banalität, die einen Großteil der Twitter-Kommunikation ausmacht, zieht somit auch ein Teil der Natürlichkeit in die Netzwerkkommunikation ein, die auch unsere Alltagskommunikation im echten Leben ausmacht und uns dabei hilft Sozialität zu organisieren.

Saturday, May 16, 2009

Warum ich mich über WolframAlpha freue



Heute ist die neue semantische Wissensmaschine WolframAlpha gestartet. Ein spannendes Projekt und möglicherweise eine wertvolle Ergänzung zu unserem bisherigem Suchverhalten. Während die Presse jedoch auf die Frage fokussiert, ob Wolfram Alpha der neue Google-Killer ist, plädiere ich für eine andere Sichtweise:

Die Welt braucht keinen Google-Killer - die Welt braucht Menschen mit Ideen, die Dinge gestalten und Probleme lösen.

Während die Weltwirtschaft die größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg durchmacht, inspiriert das Web immer wieder Menschen aufs Neue, Probleme auf eine innovative Art und Weise anzugehen und zu lösen. So auch Wolfram Alpha. Und ich denke das ist es, worauf es ankommt. Deshalb freue ich mich über Wolfram Alpha und hoffe es wird viele weitere Menschen mit Ideen dazu inspirieren Probleme neu anzugehen.

Tuesday, May 12, 2009

Kopf-Twittern gegen Bauch-Twittern?



Bei Christian gab es vor wenigen Tagen eine interessante Diskussion darüber, ob persönliche Informationen auf Twitter veröffentlicht werden sollen, oder ob der Dienst sich nicht vielmehr in eine reine Informations-Plattform entwickeln soll, auf welcher ausschließlich interessante Links und Infos geteilt werden (Kopf-Twittern). Ich habe ja bereits in einem früheren Post darauf hingewiesen, dass Twitter eine phatische und damit soziale Funktion erfüllt, welche zum Teil erst durch das Teilen von persönlichen Informationen und Belanglosigkeiten möglich und durch Dialog und Kollaboration effiziert wird. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass das in Christians Beitrag genannte „Bauch-Twittern“ Teil einer sozialen Veränderung ist - warum möchte ich im Folgenden erläutern.

Klassische elektronische Medien (Telefon, Fernseher) als auch neue Spielarten wie Netzwerkmedien (Blogs, Twitter, Social Networks etc.) können bei massenhafter Verbreitung neue soziale Umwelten schaffen, welche unser Verhalten stärker beeinflussen, als es der reine mediale Inhalt vielleicht vermuten ließe. Viele Kritiker bemängeln, dass Twitter Nutzer unnötige persönliche Informationen über sich selbst veröffentlichen (bspw.: „Höre gerade Oasis, danach geht's mit Freunden zum Fußball“), aber niemand stellt sich die Frage wie genau dieser Aspekt zu neuen sozialen Umwelten führen kann.
Soziale Situationen sind immer von ihrem Kontext abhängig, in den sie eingebettet sind. Wenn unterschiedliche soziale Situationen kombiniert werden, kann ein einst angemessenes Verhalten plötzlich unangemessen erscheinen. Wenn also private Informationen nun in einem öffentlichen Raum zugänglich werden und mit anderen sozialen Kontexten vermischt werden, so werden sich letztendlich auch etablierte Verhaltensweisen oder Rollenverständnisse ändern.

Ein Beispiel: Viele formelle Rollen basieren auf einem Mangel an intimen Wissen über den anderen. Sobald jedoch die mystifizierende Leere des Unwissens verloren geht, so verschwinden auch formelle Verhaltensmuster.
Google-Pressesprecher Stefan Keuchel etwa twittert unter dem Nutzernamen @frischkopp sowohl in der Rolle des Privatmenschen und Vaters als auch in der Rolle des Pressesprechers. Wie gehe ich als junger Student nun mit @frischkopp um? Verhalte ich mich wie ich mich etwa einem Vorgesetzten gegenüber verhalten würde, oder verhalte ich mich als Privatmensch, der eben auch auf Twitter unterwegs ist? Würde ich Stefan Keuchel im echten Leben treffen, so hätte ich trotz aller objektiv vorhandenen hirarchischen Rollenunterschiede dennoch das Gefühl eine Person zu treffen, welche ich bereits ein wenig kennen und mögen gelernt habe. Wie würde mein Verhalten aber in der gleichen Situation aussehen, hätte ich Stefan Keuchel nicht als @frischkopp von Twitter kennen gelernt? Wäre die soziale Situation die gleiche?
Twitter-Kontakte sind häufig „Medien-Freunde“. Die Serialität, in der ich auf Twitter soziale Informationen und Einblicke in die Persönlichkeiten anderer erhalte, baut mittelfristig eine para-soziale Bindung auf. Diese Verbindungen sind vergleichbar mit Beziehungen, die wir über die Zeit zu Figuren aus TV-Serien oder zu anderen Medien-Figuren wie etwa Pop-Sängern aufbauen.

Twitter und andere vergleichbare Medien lassen Barrieren wie Ort, Rolle oder Geschlecht zunehmend verschwinden und ermöglichen uns eine soziale Mobilität in einer Arena, in der Interaktionen vielmehr informativer und sozialer statt physischer Art sind. Dies kann man aus heutiger Sicht als Chance oder Gefahr verstehen. Nicht zu diskutieren ist jedoch die Tatsache, dass meine Generation, welche mit diesen Medien aufwächst, diese Kultur bereits lebt und atmet. Jene Menschen, die Netzwerkmedien als reine Plattform für fokussierten und formellen Informationsaustausch nutzen, verkennen somit einen essentiellen (emotionalen) Mehrwert, den diese Medien für unsere künftige Kultur haben werden, welche von der nun heranwachsenden Generation geprägt sein wird.

PR-Blogger und Online-Reputations-Berater Klaus Eck sagt „Leute, bleibt sachlich und gebt wenig von eurer Persönlichkeit im Internet preis“. Ich sage jedoch, dass genau solche Leute in Zukunft als inkonsistent und unauthentisch betrachtet werden könnten, weil sich dann längst neue soziale Kontexte etabliert haben, in denen das öffentliche Teilen von persönlichen Informationen als soziale Geste verstanden wird. Wir sehen hier einen langsames Verschwinden von hierarchischen Strukturen in der Art wie wir sozial miteinander interagieren, welches die Vorraussetzung für künftige Innovationen darstellen wird. Auch im unternehmenrischen Kontext.

Tuesday, April 28, 2009

iTunes - Ich bin enttäuscht



Vor kurzem habe ich mir auf iTunes das Debüt-Album von Skream gekauft, welches 2006 einen neuen Musikstil namens Dubstep begründet hat (besonders empfehlenswert ist der Song "Midnight Request Line").

Das Album ist eigentlich so konzipiert, dass die einzelnen Songs ineinander übergehen, nur traten bei meiner Version Unterbrechungen von zwei Sekunden zwischen den Songs auf. Ärgerlich, da diese zwei Sekunden Stille zwischen den einzelnen Songs den Fluss des Albums gewältig stören.

Als ich die Länge meiner Songs dann mit der CD Version oder auch mit der Version verglichen habe, die als Download bei Amazon erhältlich ist, fiel mir auf, dass die iTunes Songs tatsächlich durch die Bank um zwei Sekunden länger waren. (siehe Bild)



Zwei unnötige Sekunden der Stille hinter jedem Song, die das Gesamtkunstwerk zerstören. Ich habe daraufhin Apple gebeten, den Fehler zu beheben um vor allem auch künftige Käufer vor diesem Ärgernis zu schützen. Obwohl ich mit der Schnelligkeit des Kundendienstes zufrieden bin, ist die Position des Qualitätsmanagements absolut inakzeptabel. Demnach gesteht das Qualitätsmanagement ein, dass hier Songs mit einer falschen Länge verkauft werden. Dies sei jedoch keine Qualitätseinbuße, da schließlich jeder Kunde die Dateien eigenhändig um zwei Sekunden verkürzen könne!

Ich finde dies absolut unglaublich und kann die Haltung von Apple absolut nicht nachvollziehen. Es wäre für Apple nur ein sehr geringer Aufwand, die derzeit angebotenen Songs um fehlerfreie zu ersetzen. Somit könnte jeder Kunde das Album so genießen, wie es vom Künstler konzipiert wurde. Stattdessen verdammt Apple seine Kunden dazu das Problem eigenhändig zu lösen. Unbegreiflich! Dann darf man sich auch nicht wundern, warum immer weniger Menschen bereit sind für Musik zu zahlen.

Sunday, April 26, 2009

Twitter und seine versteckten Kommunikationseffekte


In den Augen vieler Menschen ist und bleibt Twitter ein absurder Dienst. Dies werden auch noch so viele Live-Berichterstattungen über Notlandungen auf dem Hudson-River nicht ändern können. Der Grund für das Unverständnis ist, dass der wahre Reiz von Twitter in versteckten Kommunikationseffekten zu finden ist, die sich nur jenen erschließen, die sich auf das Medium längere Zeit einlassen.

Zappen durch Banalitäten?

Wir sind gewohnt im Internet Antworten auf unsere Fragen zu bekommen - wir suchen etwas und das Internet liefert uns im Idealfall die passende Information. Das Internet fungiert somit oft als Problemlöser, als eine selektive Informations-Maschine, die wir gelernt haben kontrolliert zu bedienen. Bei Twitter ist das anders: Statt einem kontrollierten Navigieren ähnelt das Nutzungserlebnis von Twitter mehr dem Eintauchen in einen permanent fließenden Strom. Ähnlich wie beim Zappen durch das Fernsehprogramm, weiß man auch bei Twitter nie genau was man serviert bekommt. Doch zwischen einigen uninteressanten Sendungen findet man auch immer etwas, das für einen selbst interessant ist und das einen zu überraschen vermag. Einen Großteil der Zeit wird man auf Twitter jedoch mit Informationen konfrontiert, die einem gelegentlichen Besucher auf den ersten Blick trivial erscheinen mögen.
Wozu also das Ganze? Haben wir die Zeit, in der wir mit unerwünschten Medieninhalten zugemüllt wurden, nicht hinter uns gelassen?
Ganz so einfach ist es jedoch nicht, denn bei genauerem Hinsehen offenbaren sich hier eine Reihe interessanter Effekte, die in dieser kombinierten Form bei kaum einem anderen Medium zu beobachten sind.

Panoptikum und die Macht der schwachen Verbindungen

Eine grundsätzliche Frage ist, ob wir blind twittern (also ohne ein Bewusstsein über unser Publikum), oder ob das Gegenteil der Fall ist und wir uns über unser Publikum im Klaren sind. Studien haben gezeigt, dass die Intensität der Interaktionen mit der Plattform Twitter bei den meisten Nutzern davon abhängig zu sein scheint, mit wievielen anderen Nutzern sie direkten Austausch betreiben. Ein Nutzer, der keine direkte Kommunikation mit anderen Nutzern betreibt oder kaum ein Feedback auf seine Tweets bekommt, wird Twitter schnell aufgeben oder zumindest seltener nutzen. Reziproke Kommunikationsstrukturen führen zudem dazu, dass der Nutzer zum einen merkt, dass ein Publikum für seine Tweets existiert und zum anderen, dass er ein Gefühl dafür bekommt, wer sein Publikum ist.
Das Publikum ist jedoch geteilt in ein bekanntes und ein unbekanntes. Der bekannte Teil des Publikums ist jener, denen der Nutzer selbst auch folgt und mit denen er aktiven Austausch betreibt. Der unbekannte Teil des Publikums sind jene Nutzer, zu denen keine reziproke Beziehung besteht. Da die Intensität der Nutzung jedoch von dem Bewusstsein über das bekannte Publikum abhängig ist, teilen viele Nutzer oft auch Dinge mit, die sie einem Fremden auf offener Straße so nie ungefragt mitteilen würden.

Diese selbsterzeugte, offenherzige Transparenz kann man als Leichtsinnigkeit des jeweiligen Nutzers abwerten, der langfristige Effekt, der durch dieses Kommunikationsverhalten entsteht, ist jedoch ein anderer: Ein Erlebnis, einen Gedanken oder eine aktuelle Situationsbeschreibung mit anderen zu teilen und sie daran teilhaben zu lassen, wird in der Twittergemeinde als eine soziale Geste verstanden. Jemand, der auch von Zeit zu Zeit persönliche Informationen oder Erlebnisse aus dem persönlichen Umfeld mitteilt, wird als authentisch und sympathisch empfunden. Dies wirkt vertrauensbildend und steigert wiederum die Bereitschaft der anderen sich mit diesem Nutzer auszutauschen oder zu kollaborieren. Dieser Effekt ist ein wichtiger Verstärker für ein Phänomen das Granovetter als die Macht der schwachen Verbindungen beschrieben hat: Eine effektive Form der Kollaboration zwischen Menschen, die eigentlich nur schwach miteinander verbunden sind. Diese Art der Kollaboration ist für den schnellen Informationsfluss innerhalb des Twitternetzwerks verantwortlich. Die Macht der schwachen Verbindungen wird bei Twitter jedoch noch um eine weitere Dimension ergänzt: Intimität.

Phatische Kommunikation und Intimität

Leser meines Twitter-Streams haben vermutlich schon häufiger Tweets wie diesen hier gelesen: "Drinking coffee, reading the Guardian". Ich bin mir darüber bewusst, dass diese Information selbst meine engsten Freunde reichlich wenig interessieren wird. Bei solchen Tweets handelt es sich jedoch um eine Form phatischer Kommunikation, also einer Kommunikation, die nicht dazu dient Probleme zu lösen oder Informationen zu vermitteln. Man spricht, um zu sprechen.
Obwohl der Informationsgehalt also gen Null geht, ist phatische Kommunikation sehr dafür geeignet soziale Funktionen zu erfüllen. Selbst im Falle meines banalen Tweets "Drinking coffee, reading the Guardian" vermittle ich dem Leser phatisch, dass:

1. ich in seinem Netzwerk existiere,
2. emotional und intellektuell aktiv bin
3. und der Kommunikationskanal im Netzwerk für Folgekommunikation geöffnet ist.

Ein Tweet macht somit schlichtweg deutlich, dass ich meine Leser dazu einlade an meinem Leben Teil zu haben und ich offen für Folgekommunikation bin. So banal dies klingen mag, so ist es doch etwas, das in vielen One-to-One-Medien bisher gefehlt hat. So führt eine nicht erwiderte SMS oder eine nicht beantwortete Email in der Regel zum Abbruch von Kommunikation. Und sofern beide Kommunikationspartner nur schwach miteinander verbunden sind, führt eine nicht erwiderte Kommunikation gar zum Abbruch des Kontaktes.

Twitter umgeht dies, indem es einen Raum des permanenten phatischen Rauschens eröffnet, in welchem Kontakte intensiviert werden können, sofern man dem Rauschen nur zuhört. Da sich die Tweets der meisten Nutzer eben nicht nur auf "Drinking coffee, reading the Guardian" beschränken lassen, sondern eben auch persönlicher und detailierter sein können, entwickeln Twitternutzer mit der Zeit ein Gefühl der Verbundenheit mit den Menschen, denen sie folgen.Leisa Reichelt hat dies als Ambient Intimacy beschrieben: Also die Fähigkeit mit Leuten in Kontakt zu bleiben und zwar in einer Regelmäßigkeit und Intimität, wie dies unter normalen Umständen aus zeitlichen und räumlichen Gründen unmöglich wäre. Twitter ist in diesem Sinne imstande ein Gefühl der Verbundenheit und Vertrautheit mit Menschen zu fördern, selbst wenn sich diese Menschen nie im echten Leben begegnet sind. Ein Effekt, wie man ihn bisher nur bei wenigen medialen Kommunikationsformen beobachten konnte.

Dies sollte eine "kurze" Zusammenfassung meiner Beobachtungen sein, die ich bei meiner Beschäftigung mit Twitter in letzter Zeit gemacht habe. Die Diskussion ob Twitter nun ein banaler Dienst ist oder nicht, würde ich stets mit "Ja" beantworten. Ich behaupte sogar, dass Twitters Erfolg auf seiner Banalität und Einfachheit beruht. Doch ich meine dies nicht negativ, denn wie oben bereits erwähnt, können selbst Trivialitäten soziale Effekte ausüben, deren Kraft man nicht unterschätzen sollte.
Vögel zwitschern auch nur, aber sie organisieren ganze Schwärme.

Sunday, February 01, 2009

Die Herausforderungen unserer Gesamtkultur



Dieses brilliante Videointerview mit Prof. Peter Kruse möchte ich allen ans Herz legen, die sich für die Frage interessieren, inwieweit Web2.0 Lösungen für die bevorstehenden gesellschaftlichen Herausforderungen anbieten kann.

Wie gehen wir mit der Informationsflut einer immer komplexer werdenden Welt um?
Führen Empfehlungssysteme zu Problemlösungen oder leiten sie uns immer wieder in die gleiche Ecke eines komplexen Netzwerkes?
Welche Herausforderungen werden an die Generation der Digital Natives gestellt, und hat diese Generation überhaupt die richtigen Fähigkeiten um diese Herausforderungen zu bewältigen?

"Wir haben die Chance auf interessante Technologie, aber wie man diese einsetzt und wie man daraus ein intelligentes System macht, das ist die große Aufgabe unserer Gesamtkultur und nicht die Aufgabe eines einzelnen oder einer Teilgruppe."

Danke an Tim für den Tipp.